intro swiss o week 2016SWISS ORIENTEERING WEEK

Engadin, St. Moritz , 16.-23. Juli 2016

 

Als OL Sportler muss man unbedingt einmal im OL Leben bei O-RINGEN dabei sein und einmal bei der SWISS O WEEK ! Hohes technisches Niveau, hochrangige internationale Besetzung, eine ausgeklügelte Logistik und äußerst anspruchsvolle Geländetypen erwarten sowohl in Schweden als auch in der Schweiz stets OL Gäste jeder Altersgruppe und jeder Könnensstufe.

16 Jugendliche des LKII, Sabine, David Hechl und Karin , begleitet von drei Küchenfeen (Maria- Luise, Helga und Johanna), die sich rund um die Uhr um das leibliche und seelische Wohl kümmerten , wagten dieses Abenteuer und kehrten müde aber bestärkt und frohgesinnt zurück. Mit einem prallgefüllten Beutel schöner, tiefgreifender Erlebnisse. HG war ein wertvoller Betreuer an den Wochenenden, denn extreme Herausforderungen und Strapazen setzten allen ziemlich zu.

Während wir Läufer wie Gämsen über hochalpine Geröllhalden kletterten, wühlten sich die Küchenläuferinnen im Stundentakt durch eine Unmenge schmutzigen Geschirrs (es gab im Selbstversorgerhaus Chasa Suzöl leider keinen Geschirrspüler!) Die hungrige Meute wurde bekocht, bebacken, besüßt, begrillt, beheilt, bewellnesst und beglückt. Das war ein richtiges Meisterwerk!!! Vielen, vielen Dank!

Dass uns extreme Bedingungen erwarten, das zeichnete sich bereits beim Welcome OL am Flüela Pass ab. Nach der Anreise und dem Einrichten im Lager am Samstag beschlossen wir, uns dort auf die O Week einzustimmen. Eine schneebedeckte Landschaft und kalte Temperaturen am Pass erlaubten aber nur eine kurze ungefährliche Runde.

Und dann ging es jeden Tag Schlag auf Schlag.

Etappe 1: Langdistanz in S-chanf – rumantsch (lang und heiß)

Etappe 2: Mitteldistanz in St. Moritz (God da Staz) – mondän und prickelnd

Etappe 3: Langdistanz am Fuße der Diavolezza – teuflisch und schwarzweiß

Ruhetag:

Etappe 4: Langdistanz am Malojapass – zwischen Schwarzmeer, Nordsee und Adria (ein heimtückisches Monstergelände. Überwachsene Steinlöcher schluckten nicht nur mich bis zum Hals!)

Etappe 5: Mitteldistanz auf Furtschellas – baumlos aussichtsreich

Etappe 6: Langdistanz in Sils Maria- philosophisch, rutschig, sumpfig, nass und kalt

Wir meisterten bis zur Etappe 6 alle - ohne Ausfälle, ohne Zeitüberschreitung, ohne Disqualifikation. Darauf sind wir stolz. Auch ohne Verletzungen!!! Auf Furtschellas konnten leider nicht mehr alle starten. Wegen plötzlicher heftiger Regenfälle und einem nahenden Gewitter wurde der Bewerb um 12:00 Uhr abgebrochen. Einige von uns hatten spätere Startzeiten und begaben sich anstatt bergauf auf schnellstem Wege mit der Bahn wieder bergab. Für Lena und Lisa Ennemoser , Lisa Moosmann (beste Österreicherin als 16.in D14 bei Etappe 3!) und Aaron Heumader, die bereits am Start standen, kam die Warnung zu spät. Sie wurden sozusagen noch losgelassen. Bange Minuten! … Sie schafften es, und wie! Lena, die schon die Tage vorher tolle Leistungen zeigte, lief bei strömendem Regen ausgerechnet an diesem Tag ihr bestes Rennen, wo ihr ein weiterer Top Ten Platz (bei Etappe 2 belegte sie als beste Österreicherin in D14 den 8. Platz!- in einem Feld von 98!!!)) sicher gewesen wäre.

Bei der 6. Etappe in Sils Maria kam es dann doch zu Ausfällen. Die schwierige Bahnsetzung, regendurchweichter, steiler, rutschiger Boden, Nässe und Kälte zwangen Sebi und Leo zum Aufgeben. Mitten im Sommer waren Tee, Skiunterwäsche, wasserdichte Bergschuhe, Wollmütze und Handschuhe gefragter denn je! Kaum zu glauben, denn die Tage davor klammerte man sich an Sonnenhut, Brille und Creme!

Unsere freie Zeit verbrachten wir mit Baden an zwei wunderschönen Seen, mit Essen im Freien (italienisches Siestafeeling), mit abendlichem Lagerfeuer, mit Bogenschießen (Dorian und Leo – zwei perfekte Robin Hoods!), mit Wellnessen im schmucken Zernetzer Bad, mit Tischtennisspielen, Kartenspielen, Blödeln, mit dem Einzeichnen und Besprechen der Bahnen und Lauferlebnisse (Davids und Sabines Analysen und Tipps waren heiß begehrt!), mit Verteilen der 5 Days of Tyrol Broschüren (Werbung für unsere nächste große Veranstaltung im Juli 2017!)und Ausfüllen von lästigen Arbeitsblättern, mit denen Karin alle schlimmstens traktierte. Aber die wichtige tägliche Läuferinfo saß dann wirklich!!!

Das Highlight im Lagerleben für mich war der Besuch der Wellness Oase am freien Tag. Unser großes, weißes Ziehharmonikazelt bauten die 16 Mädchen und Buben zu einem Wellnesstempel um und luden zu einem Genuss der Extraklasse. Massagen, Lockerungen, Streicheleinheiten, Entspannung auf HGs Liegen, ausgeübt mit Fingern, Händen, Ellbogen, Bocciakugeln, Faszienrolle, Smovies, Tüchern, Wasser und Musik waren der Hammer und taten herrlich gut!

Das Haus war einfach und urig. Es knarrte an allen Ecken und Enden und kann nach dieser Woche sicherlich viel erzählen, was mir verborgen blieb. Ich muss ja nicht alles wissen! Aber ich weiß, dass ich mit allen miteinander gerne wieder eine solch prickelnde Tour machen möchte.

Zum Schluss noch ein paar Worte zu Sabines Heldentat. Bei Etappe drei, im Berninapass Hochgebirge lief Martin Ewerz auf einen achtzehnjährigen Eliteläufer auf, der apathisch am Boden lag. Er rief nach Sabine, die er kurz zuvor noch gesichtet hatte. Zum Glück hörte sie Martin und half ihm.

Der verletzte junge Mann hatte ein tiefes Cut am Knie und war ziemlich am Ende seiner Kräfte. Sabine gelang es, ihn notdürftig zu verarzten und zu Bewusstsein zu bringen um mit ihm beschwerlich und langsam zu Tale steigen zu können, eine steile Mulde entlang, bis zu den Almwiesen, wo ihn Rettungskräfte in Empfang nehmen konnten. Dabei verlor sie ihren Kompass, setzte aber ihre eigene Runde dennoch fort. Sie kletterte also wieder 500 Höhenmeter hinauf, stempelte nochmals ihren 4. Posten und machte weiter. Das Zeitfenster überschritt sie dann freilich um über eine Stunde. Auf die Bitte, ihr die Rettungsaktionsminuten herauszustreichen bekam sie folgende Antwort: „ Das interessiert den Computer nicht, ob du jemandem geholfen hast.“

Das sollte niemals passieren. Als Anerkennung für diesen Einsatz schlage ich vor, dass der LKII Sabine einen neuen Daumenkompass schenkt. Sie hat unseren Verein selbstlos und heldenhaft vertreten!

Bericht: Karin Lugsteiner

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