Venezia – XXX° Meeting Internazionale di Corsa Orientamento


…und im Mittelpunkt posiert der kraftvolle Löwe mit den Flügeln! …Komm doch mit auf meine Bahn!!!


Ein frischer, kühler Wind fährt durch Venedig, kräuselt die Wellen und mummt alle Trampeltiere ein - Wolken hängen über den Pallazzi - Venetia trägt Feuchtigkeit und Grau,  schmückt sich aber zwischendurch mit blassblauem Himmel und sanftgelber Sonne, die am Samstagabend an den Ufern des Piazzo San Marco zu einem orangegoldenen Schauspiel einlädt.




Venezia ist traurig, Venezia ist gebrechlich, - alle spüren’s  - aber Venezia gibt dir Kraft, lässt dich Nähe spüren, schenkt dir Begegnung,  - auch wenn es von seinen Bewohnern am Samstag, den 15. November schweren Herzens -  in einen rosafarbenen Sarg verpackt und mit Blumen verziert - im Canale Grande versenkt und beerdigt wurde.


Und ausgerechnet an diesem Wochenende beherbergte Venezia 3600 Touristen zusätzlich. Ganz eigenartige Vögel - solche, die komische Pyjamas tragen, übliche, beliebte Pfade meiden, sich die engsten und verwinkeltsten Gässchen und Kanäle aussuchen, ständig auf der Flucht sind, sämtliche Brücken zweistufig überfliegen, keine Zeit haben, zu verweilen, zu schauen , zu schnuppern – ihre Augen und Aufmerksamkeit ständig auf eine übergroße, immer wieder anders zusammengeknuddelte Karte fixieren, sich stürmisch, manchmal sogar rücksichtslos wie eine Walze bewegen, Tauben aufscheuchen und kaum Musik wahrnehmen.

Doch… auch wenn es so scheint, als ob diese „Fremdlinge“ am allerwenigsten Venedig in Farbe, Seele und Stimmung einfangen, bin ich überzeugt, dass es ihnen am besten gelingt

… mit Freude, mit Hingabe und Momenten der Irrfahrt und Verzweiflung.


Jedes Jahr strömen noch mehr begeisterte OLer in die geheimnisvolle Lagunenstadt, um eine lange Laufsaison krönend zu beenden. So auch an die 30 LKI-ler mit ihren Fans. Richtig schade, dass die meisten Fans sich nicht überwinden konnten, Venedig im Laufschritt zu erobern. Es ist dann wie Suppe ohne Salz …oder… nur äußerlich berührt! Aber vielleicht konnten wir euch ein wenig mit unserer Euphorie anstecken und den Wunsch in euch entfachen, im nächsten Jahr „richtig“ dabei zu sein. Ihr habt ja miterlebt, dass selbst Spezialisten wie Adrian und HG zweimal im Kreis gehen, um einen urigen, richtig italienischen, nicht allzu teuren Pizzaposten zu finden. Also, ihr braucht euch niemals schämen. Nur aufpassen müsst ihr, dass ihr eure „Vorläufer“ nicht aus den Augen verliert, sonst seid ihr plötzlich auf euch alleine angewiesen, gel Maritta und Jaqui?


Auf alle Fälle habt ihr uns aktiven Läufer sehr unterstützt und uns vieles so schön und leicht und fein gemacht. Harald, die Busfahrt war echt herrlich! Wir haben’s alle sehr genossen!  Nicht nur Klein Theresa hat dich zu ihrem Lieblingschauffeur erkoren!


Die Wahl des Hotels, lieber Bernt, war auch äußerst gelungen. So miegelig und sauber…so bequem zum Wettkampfzentrum gelegen …sogar ein riesiges Katzenviech hat die ganze Nacht geschnurrt. (Wenn man zu tief ins Glas schaut und zu dusselig ist, den Ruhestörer mit einfachem Schalterdruck  leise zu stellen, dann schnurrt er erbarmungslos! Werd’ ich mir merken!)


Und nun komm’ ich endlich zu unseren läuferischen Ergebnissen. Wenn ganz Venedig ameisenartig auf den Beinen ist, dann sind Leistungen unter den ersten 25 echt ein Hit. Wir  gratulieren unseren beiden Damen Elisabeth zu ihrem 6. und 9. Platz, Fabian zu seinem 15., Robert zum 18. und Jaqui zum 22. Platz! Aber auch allen anderen gebührt Lob für ihr Bemühen und ihren Einsatz. Mir wieder mal weniger, denn am Zielposten vorbeirennen, die Karte falsch falten, umständliche Routen wählen, einige Male den Faden verlieren… das sollte nun endlich mal aufhören!


Ich freue mich, dass es den Kids gut getaugt hat! Sie sind ja schon so selbständig! Stürzten sich mit Feuereifer ins Gefecht, fanden im Winkelwerk der Gassen, Kanäle und engen, dunklen Passagen ihren Weg und ihre Posten, selbst im vibrierenden Zentrum. Ein bisschen Aufregung und Sturheit vor dem Start -  dieses Mal wegen einer Laufhose mit der man sich unglücklich fühlt, das gehört bei Lukas dazu. Vor allem, wenn alles so fremd und neu ist. Fein, dass du dich doch beruhigen konntest, gelöst zum Start an der Santa Maria della Salute kamst und so toll liefst.


Übrigens, bestimmt ein jeder von uns warf dort einen Blick auf den holden, milchweißen, splitternackten Jüngling mit dem „zwazelnden“ Frosch in den Fingern, den man so richtig jämmerlich quieken hörte. Es war eh schon ziemlich kalt, da ließ es einen noch mehr frösteln und bibbern während der langen Wartezeit. Doch beim Laufen über die klingenden roten Teppiche, sprich Holzstege, Richtung Ziel, angefeuert von unseren Fans, verspürten wir fürwahr keine Kälte mehr!


Alle kehren frohen Herzens zurück, mit dem Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben. Ciao, Venezia, halt dich gut bis zum nächsten Jahr! Den Löwen mit den Flügeln darf ich mir ab und zu ausleihen, okay?!?

Bericht von Karin Lugsteiner







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